Paul Schallück - ein Warendorfer Dichter und Schriftsteller


Viel zu früh starb der am 17.06.1922 in Warendorf geborene Schriftsteller und Dichter im Alter von nur 54 Jahren 1976 in Köln.
Als Sohn einer russisch-sibirischen Mutter und eines deutschen Vaters verspürte Schallück schon recht früh die Vorurteile seiner Warendorfer Mitbürger gegenüber Fremden und Minderheiten am eigenen Leibe.
Das Geburtshaus von Paul Schallueck
Das Geburtshaus von Paul Schallück in der Hohen Straße
Photo: H.-J.Werner
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Nachdem er zunächst in die Volksschule am Münstertor gegangen war, wechselte Schallück danach zur Klosterschule nach Hiltrup. Als Berufsziel verspürte er damalsdie Berufung zum Priester und Missionar.
Ostern 1940, zur "Blütezeit" des Nationalsozialismus, besuchte der Schriftsteller die damalige Oberschule für Jungen, das heutige Laurentianum. Nur anderthalb Jahre dauerte dieser Schulbesuch, bis er zwangsweise Soldat werden mußte.
"Meine Monate am Laurentianum", so lautete ein Aufsatz von ihm, in dem er seine damaligen Erfahrungen mit seinen Mitschülern und den Lehrern vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund beschreibend darstellt.
Schallück war in seiner Klasse damals der einzige gewesen, der kein braunes Hemd trug. Dies ließen ihn viele seiner Mitschüler und auch einige seiner Lehrer spüren.

In seinem wohl bedeutensten Roman "Engelbert Reinicke" setzte sich Schallück mit seinen Erfahrungen im nationalsozialistischen Warendorf auseinander.
Hauptperson des Romans ist der Studienrat Reinecke mit dem Spitznamen "Beileibenicht", der gegen die Nazis, gegen Krieg und Unmenschlichkeit und Verlust an Würde und überhaupt gegen "die große Zeit" auf seine ebenso originelle wie originale Weise Widerstand geleistet hat. In dem Roman findet man auch die schriftstellerische Verarbeitung der Eindrücke von der Verwüstung der Warendorfer Synagoge auf der Münsterstraße, sowie eine Beschreibung des Nazi-Terrors am Juden Abraham Schilling.
Die Erfahrungen der Nazi-Zeit und des Krieges, - ihm wurde ein Bein zerschossen, prägte sein zukünftiges schriftstellerisches Schaffen. Er setzte sich hinfort mit seinen Zeitgenossen auseinander und versuchte gegen die allgemeine Tendenz der der Verdrängung der geschichtlichen Erfahrung der Zeit zwischen 1933-1945 anzuschreiben. Versöhnung mit Frankreich und dem Judentum zu schaffen, blieb sein Anliegen. Dies zeigen auch seine weiteren biografischen Daten.
Nach dem Krieg studierte er Germanistik, Geschichte, Philosophie und Theaterwissenschaften in Münster und Köln. 1949 bis 1952 betätigte er sich als Theaterkritiker. Er begründete die "Germania Judaica", die Bibliothek des deutschen Judentums mit und war führendes Mitglied der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.
An dieser Stelle stand die Warendorfer Synagoge
An dieser Stelle stand die Warendorfer Synagogenschule
Photo: H.-J.Werner

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Schallück war ebefalls Mitglied im "Grünwalder Kreis", in der "Gruppe 47", "im Klub demokratischer Publizisten" und im "PEN-Zentrum". Sein Anliegen für die deutsch-französische Freundschaft zu werben, kam in seiner Mitarbeit bei der Zeitschrift "Dokumente" zutage.
1953 erhielt er den Preis der Zuckmayer-Stiftung, 1955 den Anette-von-Droste-Hülshoff-Preis.
Der Literaturpreis der Stadt Hagen wurde dem Schriftsteller 1962 verliehen. 1973 verlieh man Schallück schließlich den Nelly-Sachs-Preis.
Auch heute noch sind Paul Schallücks Theaterstücke und Kurzgeschichten hochaktuell.
So schrieb der Dichter damals schon eine Kurzbetrachtung zum Thema "Ehre und Ehrenwort". Dieses Kapitel dürfte man heute so manchem Politiker zur Lektüre empfehlen. Seiner Zeit voraus war Schallück auch mit dem 1976 erschienenen Oratorium "Countdown zum Paradies". Schon damals setzte er sich mit dem Thema "Umweltverschmutzung" satirisch auseinander. Paul Schallück war ein hervoragender Kämpfer für mehr Menschlichkeit. Seine Heimatstadt hat es ihm mit einer Gedenkplatte als Erinnerung an seinem Geburtshaus an der Hohen Straße Nr.24 gedankt. Die Stadt Köln, in der er längere Zeit gewohnt hat,  hat ihm zu Ehren im Stadtteil Sülz eine Straße benannt.

Leicht verändert aus: Hans-Joachim Werner: in: Emsblick, Nr.74, 4 (1988), S.34 f

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Letzte Änderung am 06.12.2012